Heilung und Seele

Fasten – Hunger kann Wunder

Kommt dir das bekannt vor? Der Magen knurrt, im Mund läuft das Wasser zusammen, die Nase wird hypersensibel und die Pupillen werden klein wie bei einem hungrigen Raubtier. Ja, der Hunger!

Keiner mag ihn und zum Glück leben wir in einem Land, in dem dieses Gefühl nicht an der Tagesordnung ist. Wir haben das Privileg den Hunger jederzeit stillen zu können. Mit dem Essen. Und zwar mit viel Essen. Das, was für uns heute normal und selbstverständlich ist, war in der Vergangenheit eine Seltenheit.

Für unsere Vorfahren war das Hungergefühl nichts Fremdes, sondern etwas ganz Normales. Aber nicht, weil man sich auf die kommende Sommersaison vorbereiten wollte, sondern es gab einfach nichts zu essen. Keine Abstellkammer, keinen Supermarkt, kein Restaurant, keine Imbiss- oder Dönerbude. Nur die Natur und der Mensch mittendrin.

Jetzt leben wir einer modernen Natur, mit vollen Regalen, Kühl- und Gefrierschränken. Wer sich das Leben noch komplizierter machen möchte, kauft sich etwas von diesen Regalen und bereitet es selbst zu. Es nimmt etwas Zeit in Anspruch, aber man kann sich auf eine sättigende Mahlzeit freuen.

Fakt ist, wir leben heutzutage im Überfluss! Wir kaufen öfter und mehr ein, als notwendig ist und greifen dadurch auch automatisch häufiger nach dem Essen. Aber nicht, weil wir öfter Hunger haben. Dieses Gefühl haben die meisten schon verlernt, sondern weil das Essen einfach da ist. Ob gesund oder ungesund, verpackt oder frisch, warm oder kalt, hochkalorisch oder mager, es steht uns jederzeit zur Verfügung. Der Körper kommt manchmal gar nicht dazu, das zugeführte Essen zu verdauen.

Die Verdauung fängt im Mund an und wo sie aufhört, weißt hoffentlich jederJ Das Essen wird im besten Fall „richtig“ gekaut und runtergeschluckt. Je nach dem, was wir essen, dauert die Verdauung 33 bis 43 Stunden[1]. Der ganze Verdauungsprozess ist sehr kompliziert und aufwändig, weil die Nährstoffe zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an unterschiedlichen Orten verarbeitet werden. Der Körper sorgt dafür, dass er die zugeführte Nahrung für uns so gut wie möglich verwertet. Das alles passiert, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. So stellt er sicher, dass wir uns weiterhin bewegen, dass wir nachdenken, schlafen, uns fortpflanzen und empfinden können.

Jetzt stelle dir vor, du isst alle paar Stunden etwas. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Die Verdauung kommt nicht zur Ruhe und muss ständig auf Hochtouren laufen. Tage-, wochen-, monate-, jahrelang. Man sagt ja nicht um sonst, dass das zweite Hirn im Darm liegt. Wenn wir ständig essen und der Körper das Essen verdauen muss, kann „das zweite Hirn“ irgendwann nicht mehr seine Arbeit richtig machen. Er wird geschwächt und wir werden kränklich. Um unser Gehirn im Kopf zu entspannen schlafen wir, aber was machen wir, um unser Gehirn im Darm zu entspannen?

Am besten auch mit Erholungsphasen in Form von Fasten. Kurzzeitfasten, Intervallfasten, Heilfasten, Trockenfasten, Langzeitfasten, Saftfasten, Suppenfasten, Weiß-der-Kuckuck FastenJ Im Internet findet man viele Arten von Fasten, mit tollen Tipps und Anleitungen, Vor- und Nachteilen. Die Intention soll jedoch sein, die Verdauung zu entlasten und so dem Körper neue Energie und Kräfte zu geben.

Wusstest Du schon, dass längere Hungerphasen eine heilende Wirkung haben? Fasten kann sich bei zahlreichen metabolischen[2], chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Krankheiten des Verdauungssystems, kardiovaskulären Erkrankungen oder bei chronischen Schmerzsyndromen positiv auswirken. Auch bei Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Arthritis, Typ-I-Diabetes wirkt das Hungern und hilft den Betroffenen bei der Heilung.

Wie und ob es möglich ist? Alle Krankheitserreger, Viren oder Bakterien im Körper, die eine Krankheit verursachen benötigen zum (Über-)Leben Futter. Dieses bekommen sie von uns durch das Essen und durch die Fremdstoffe, die wir mit dem Essen aufnehmen z.B. durch Fett und Geschmacksverstärker (Salami), Proteine und Hormone (Kuhmilch, Quark) oder Zucker und Süßstoffe (Fruchtjogurt). Das heißt, solange wir essen, können sie überleben. Wenn man aber nichts mehr zu sich nimmt, werden sie gezwungen auch zu hungern und irgendwann können sie ohne Futter nicht mehr überleben. Wir Menschen schon, weil unser Körper auf die Reserven (Kohlenhydrate im Glykogen, Proteine in den Muskeln oder Fett im Fettgewebe) zugreift, die für uns zugänglicher als für die Krankheitserreger sind.

Aber nicht nur unsere körperliche Gesundheit kann vom Fasten profitieren. Auch unser Geist und Seele bekommen eine Art Erholungsphase. Viele Leute, die über einen längeren Zeitraum gefastet haben, berichten von Zuständen wie Glücksgefühle, Euphorie, Zufriedenheit, innere Ruhe und bewusstes, positives und klares Denken. Ich hatte solche Zustände auch erleben dürfen. Am Anfang war ich überrascht, wie gut es mir innerlich tat, nichts zu essen. Später habe ich diese Phasen genossen und wollte mir gar nicht vorstellen, wieder in den Essens-Alltag zu wechseln. Denn irgendwann verschwindet der Hunger und man kann die Fastenzeit und die beschriebenen Zustände einfach genießen. 

Die härteste aber auch die wirksamste Art zu fasten, ist Trockenfasten (ohne Wasser und ohne Essen) oder alternativ Wasser- bzw. Teefasten. Wenn man nicht erfahren ist, sollte man die Art und vor allem die Dauer mit einem Arzt oder Spezialisten konsultieren.

Ich habe auch schon einige Fastenkuren probiert. Nicht alle waren passend für mich. Man muss einfach probieren und schauen, was man am besten in den Alltag integrieren kann. Ich faste regelmäßig. Ein bis zwei Fasten-Tage in der Woche sind für mich ideal. Es ist nur Frage der richtigen Einstellung. Und wenn man einen guten Grund bzw. Intention hat, geht es viel leichter. Hashimoto war ein sehr guter Grund davon.

Ich werde dir in meinen weiteren Berichten von meinen Fasten Erfahrungen erzählen und dir Tipps geben, wie man Fasten angehen, durchstehen und brechen (wichtig!) kann.

Quellen:

[1] https://www.netdoktor.de/anatomie/verdauung/

[2] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2005/daz-9-2005/uid-13571

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